

Martin Schunerits
Positionierung für Beraterinnen, Therapeutinnen und Coaches — der vollständige Leitfaden
Positionierung ist die klare Antwort auf eine einzige Frage: Wofür stehst du, und für wen genau? Für Beraterinnen, Therapeutinnen und Coaches entscheidet diese Antwort darüber, ob eine Wunschklientin dich als genau die richtige Wahl erkennt — oder als eine von vielen weiterscrollt. In diesem Leitfaden zeige ich dir, was Positionierung wirklich bedeutet, warum sie online anders wirkt als im persönlichen Gespräch, welche Fehler ich in über 180 Marken-Projekten immer wieder sehe und wie du Schritt für Schritt zu deiner eigenen Position kommst.
Stand: 08.07.2026
Ich schreibe diesen Text aus einer einfachen Überzeugung heraus: Erst kommt die Person, dann die Marke. Genau in dieser Reihenfolge baue ich seit über fünfzehn Jahren Positionen auf, die tragen. Positionierung ist für mich kein Marketing-Trick, sondern die Übersetzung dessen, was du im Gespräch längst ausstrahlst, in eine Form, die auch dann wirkt, wenn du nicht im Raum bist.
Was bedeutet Positionierung für Beraterinnen, Therapeutinnen und Coaches?
Positionierung bedeutet, dass deine Wunschklientin in wenigen Sekunden versteht, wofür du stehst und warum gerade du ihr Anliegen lösen kannst. Eine echte Position ist keine Werbezeile und kein Slogan. Diese Klarheit ist das Fundament, auf dem jede Klientin entscheidet, ob sie bei dir bleibt oder weitersucht. Wer sich nicht klar positioniert, arbeitet oft jahrelang fachlich hervorragend und bleibt in der Wahrnehmung möglicher Klientinnen trotzdem ein verschwommener Schemen.
Ich unterscheide dabei sauber zwischen deinem Fach und deiner Position. Dein Fach ist das, was du kannst. Deine Position ist das, wofür dich deine Wunschklientin im Kopf ablegt, wenn sie dich das erste Mal liest. Zwischen beidem klafft bei den meisten Expertinnen eine Lücke — und genau diese Lücke kostet Anfragen, Empfehlungen und Honorar. Du bist fachlich fast immer tiefer, als dein heutiger Auftritt zeigt.
Der Unterschied klingt klein, ist aber entscheidend. Ein Angebot beschreibt, was du verkaufst. Eine Position beschreibt, warum ausgerechnet du die richtige Wahl bist. Deine Wunschklientin sucht selten nur nach einer Leistung — sie sucht nach einem Menschen, dem sie zutraut, ihr konkretes Anliegen zu lösen. Beantwortet deine Marke diese Zutrauen-Frage nicht in Sekunden, bleibt selbst das beste Angebot ungefragt in der Schublade neben zehn ähnlichen liegen.
Eine gute Position beantwortet drei Fragen, bevor deine Klientin sie überhaupt stellt:
- Wofür stehst du fachlich, in einem einzigen Satz?
- Für welche Wunschklientin bist du die richtige Wahl — und für welche bewusst nicht?
- Woran erkennt diese Klientin in wenigen Sekunden, dass du gemeint bist?
Kannst du diese drei Fragen sauber beantworten, hast du eine Position. Wenn nicht, hast du bislang nur ein Angebot — und Angebote gibt es in deiner Branche viele. Der Wert einer Position liegt nicht darin, mehr Menschen zu gefallen, sondern darin, für die richtigen Menschen unverwechselbar zu werden und für die falschen ruhig unsichtbar zu bleiben.
Warum wirkt deine Positionierung online anders als im Gespräch?
Im persönlichen Gespräch trägt deine Position fast von selbst. Sobald du mit einer Wunschklientin sprichst — am Tisch, am Telefon, per Video — spürt sie in Sekunden, wer du bist und was du kannst. Vertrauen entsteht, deine fachliche Tiefe wirkt unmittelbar, und deine Position braucht dort kaum Worte. Das ist die gute Nachricht: Im direkten Kontakt bist du meist längst überzeugend.
Der Bruch liegt davor. Auf deiner Webseite, in deinem Profil, in einer Empfehlung von Dritten muss deine Position wirken, bevor du das erste Wort sagen kannst. Genau dort trägt sie bei den meisten Expertinnen nicht das, was sie im Gespräch mühelos trägt. Wunschklientinnen, die dich noch nie gesprochen haben, kommen so gar nicht erst zu einem ersten Gespräch — nicht weil dein Fach zu schwach wäre, sondern weil deine Marke vor dem ersten Wort noch nicht spricht.
Im Gespräch trägst du. Online trägt deine Marke.
Warum das so ist, liegt an den ersten Sekunden. In diesem Moment entscheidet nicht der Verstand deiner Klientin, sondern ihr Nervensystem. Die Amygdala scannt in wenigen Hundert Millisekunden auf sicher oder unsicher, lange bevor der erste bewusste Gedanke kommt. In rund 88 Prozent der Fälle wird dieser erste Eindruck später nicht mehr korrigiert. Schon Solomon Asch zeigte 1946: Die Reihenfolge der Wahrnehmung färbt das Urteil stärker als der einzelne Inhalt.
Für deine Positionierung heisst das: Deine Position muss nicht nur richtig sein, sie muss in den ersten 0,3 Sekunden lesbar sein. Eine Position, die erst nach dem dritten Absatz greift, greift für das Nervensystem deiner Klientin zu spät.
Diese Mechanik hat auch eine gute Seite. Ein Auftritt, der in den ersten Sekunden Ruhe und Substanz ausstrahlt, wirkt wie eine Empfehlung aus dem Freundeskreis — auch dann, wenn dich niemand persönlich empfohlen hat. Deine Klientin kommt dann nicht mit einer Prüfungs-Haltung ins erste Gespräch, sondern mit einer stillen Bereitschaft. Deine Klientin testet dich nicht mehr, sie bestätigt, was sie längst gespürt hat.
Der Preis der Lücke summiert sich dabei leise. Jede Woche lesen Menschen deine Seite, die im Gespräch längst überzeugt wären — und gehen weiter, bevor ein Gespräch überhaupt zustande kommt. Das fällt nicht als lauter Verlust auf, sondern als leises Ausbleiben: etwas weniger Anfragen, etwas mehr Erklärungsbedarf, etwas häufiger eine Rückfrage zu deinem Honorar. Eine klare Position dreht genau diese stille Rechnung um, weil sie das Vertrauen schon vor dem ersten Kontakt aufbaut.
Was sind die häufigsten Positionierungs-Fehler?
In über 180 Marken-Projekten sehe ich immer wieder dieselben vier Fehler. Sie haben nichts mit fehlendem Können zu tun — sondern mit einer fehlenden Entscheidung.
- Alles für alle. Wer für eine breite Demografie schreibt, schreibt für niemanden. Eine Marke ohne klares Hauptangebot wirkt wie ein Geschäft, das alles und nichts verkauft.
- Zehn Selbstbeschreibungen, eine pro Anlass. Auf jeder Seite ein anderer Pitch, weil du nie ganz triffst, was du eigentlich machst. Deine Klientin merkt diese Unsicherheit, auch wenn sie sie nicht benennen kann.
- Behauptung statt Beweis. Worte wie „einzigartig" oder „ganzheitlich" kann keine Klientin überprüfen — sie bleiben eine Behauptung. Position entsteht aus Beschreibung, nicht aus Superlativen.
- Die schwache Position zieht die falsche Klientin an. Klientinnen, die eine unklare Position akzeptieren, zahlen weniger, fordern mehr und gehen früher. Eine scharfe Position filtert bereits, bevor das erste Gespräch beginnt.
Der gemeinsame Nenner all dieser Fehler ist Unklarheit — und Unklarheit lässt sich nicht mit einer schöneren Webseite überdecken. Ein häufiges Missverständnis verschärft das Ganze: Viele glauben, ihre Klientin entscheide sich gegen sie wegen des Preises. Fast immer entscheidet sie sich aber gegen die Unklarheit, lange bevor der Preis überhaupt zur Sprache kommt. Der Unterschied zwischen einer schwachen und einer klaren Position zeigt sich sehr konkret im Alltag deiner Marke:
|
Ohne klare Position |
Mit klarer Position |
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Anfragen kommen mit Fragezeichen |
Anfragen tragen schon das Ja |
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Empfehlungen bleiben ungenau und selten |
Empfehlungen kommen in deinen Worten zurück |
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Honorare werden regelmässig verhandelt |
Honorare werden akzeptiert |
Willst du deine eigene Position sauber herausarbeiten, führe ich dich in meinem kostenlosen Guide Schritt für Schritt durch die ersten Diagnose-Fragen: zum kostenlosen Guide.
Wie findest du deine eigene Position?
Der Weg zu deiner Position ist kein Kreativ-Akt, sondern eine geduldige Grabung. Deine Position wird nicht erfunden — sie wird gefunden, wenn du lange genug dort hinschaust, wo deine Arbeit tatsächlich stattfindet. Ich gehe mit meinen Klientinnen in fünf Schritten vor:
- Die Branchen-Schablone erkennen. Schau dir an, wie deine Branche über sich spricht. Diese Schablone ist das Bild, das im Kopf deiner Wunschklientin schon existiert. Deine Position beginnt genau dort, wo du diese Schablone an der richtigen Stelle brichst — nicht überall, sondern an dem einen Punkt, der wirklich zu dir gehört.
- Deinen verborgenen Vorteil benennen. Was tust du anders, ohne es je erklärt zu haben? Oft liegt hier der eigentliche Kern deiner Position, sichtbar für andere, aber unsichtbar für dich selbst, weil er dir zu selbstverständlich vorkommt.
- In der Sprache deiner Klientin schreiben. Nicht in deiner Fachsprache, sondern in ihrem inneren Monolog. Eine Klientin, die einen Satz liest, der fast wörtlich ihrem eigenen Denken entspricht, hält an diesem Satz und liest weiter. Genau dort beginnt Vertrauen.
- Die zweite Schicht freilegen. Unter dem offiziellen Anliegen liegt fast immer ein tieferes. Eine Klientin bittet offiziell um mehr Klarheit in ihrer Ausrichtung — und sucht in Wahrheit einen Menschen, vor dem sie eine schwierige Entscheidung aussprechen darf. Wer nur die Oberfläche bedient, bleibt austauschbar.
- Alles zu einer Aussage verdichten. Am Ende steht ein einziger Satz, der jeder weiteren Entscheidung deiner Marke die Richtung gibt.
Für den letzten Schritt nutze ich einen einfachen Test: Würde eine fünfzehnjährige Person nach dem Lesen deiner Position verstehen, was du tust und für wen? Wenn ja, ist deine Position klar genug. Wenn nein, steckt noch zu viel Fachsprache darin, die deine Klientin in den ersten Sekunden nicht entschlüsseln kann.
Zu einer starken Position gehört auch die richtige Mischung aus Nähe und Gestaltung. Ich arbeite mit einer einfachen Formel: 70 Prozent Authentizität, 30 Prozent strategische Wirkung. Wer sich völlig ungefiltert zeigt, überfordert seine Klientin. Wer sich vollständig inszeniert, verliert die Seele, die deine Klientin eigentlich sucht. Die 70 Prozent sind das Echte an dir. Die 30 Prozent sind die bewusste Form, die dieses Echte für andere lesbar macht.
Wichtig ist dabei die Reihenfolge: Erst regulierst du dich, dann repräsentierst du dich. Viele Expertinnen kennen ihren Wert genau und rufen ihn im entscheidenden Moment trotzdem nicht ab. Das ist kein Charakterfehler, sondern eine Frage des Nervensystems. Eine Position, die aus einem ruhigen inneren Zustand heraus formuliert ist, klingt anders als eine, die aus Anspannung entsteht — und deine Klientin hört diesen Unterschied, ohne ihn benennen zu können.
Diese fünf Schritte kannst du grob allein gehen. Die Feinarbeit — der eine Satz, der wirklich trägt — braucht meist einen Blick von aussen, weil du deinen eigenen verborgenen Vorteil selten selbst siehst. Einen ersten geführten Durchgang findest du in meinem Guide: zum kostenlosen Guide.
Wie hängt Positionierung mit deiner Marke und dem Brand Manifest zusammen?
Positionierung ist nicht das Ende, sondern der Anfang. Sie ist eine von elf Sektionen, aus denen ein vollständiges Brand Manifest entsteht — das schriftliche Dokument, in dem deine Position, deine Wunschklientin und deine Bedingungen in deinen eigenen Worten festgehalten sind. Aus diesen elf Sektionen wird eine Marke, die Jahrzehnte trägt, statt alle 18 Monate neu erfunden zu werden.
Die Reihenfolge dieser elf Sektionen ist nicht beliebig. Deine Geschichte trägt deine Position. Deine Position trägt dein Angebot. Dein Angebot trägt deine Sprache. Jede Sektion baut auf der vorigen auf — deshalb steht die Positionierung so weit vorne. Wer sie überspringt, baut alles Weitere auf Sand.
Ich denke Marken bewusst von der Person her, nicht von der Oberfläche. Wie ich zu dieser Haltung gekommen bin, habe ich hier ausführlich beschrieben: Wer ist Martin Schunerits — und warum ich über Marken anders denke. Aus derselben Haltung ist die Brand-Manifest-Methode entstanden, die ich in diesem Beitrag erkläre: Warum ich die Brand-Manifest-Methode entwickelt habe.
Deine Position kannst du auf verschiedenen Wegen erarbeiten. Mein Buch »Wirkung vor Wort« legt die vollständige Methode für 39 Franken offen. In der Digital Identity Masterclass erarbeitest du dein Brand Manifest geführt, ab 497 Franken. Und in der persönlichen Tiefenarbeit begleite ich dich eins zu eins, ab 3000 Franken. Jede Stufe baut auf derselben Grundlage auf: deiner Position.
Eine Position ist dabei kein einmaliges Projekt, das nach dem Launch abgeschlossen wäre. Ich prüfe mit meinen Klientinnen einmal im Jahr, ob die Position noch zur gelebten Praxis passt. Der Kern bleibt fast immer gleich — verändert wird die Sprache an der Oberfläche, nicht das Fundament darunter. Genau diese Ruhe unterscheidet eine getragene Marke von einer, die alle paar Monate hektisch nachjustiert wird.
Erst die Person hinter der Brand. Dann die Brand.
Sitzt deine Position, wirkt deine Marke, bevor du auch nur ein einziges Wort sagen musst. Genau das ist das Ziel dieser Arbeit: pures Vertrauen in deinen Auftritt, schon bevor das erste Gespräch beginnt. Nicht lauter als andere, sondern klarer. Nicht schneller, sondern tiefer.
Häufig gestellte Fragen
Was ist der Unterschied zwischen Positionierung und Markenauftritt?
Positionierung beantwortet, wofür du stehst und für wen genau. Dein Markenauftritt macht diese Entscheidung sichtbar und spürbar. Die Position ist die Entscheidung, der Auftritt ist ihre Umsetzung. Ohne klare Position bleibt jeder noch so schöne Auftritt austauschbar, weil das Fundament darunter fehlt.
Wie lange dauert es, bis eine Positionierung Wirkung zeigt?
Die Klarheit im Kopf entsteht oft in wenigen Wochen konzentrierter Arbeit. Die sichtbare Wirkung — präzisere Anfragen, klarere Empfehlungen — zeigt sich meist über die folgenden Monate. Eine sauber gebaute Position trägt danach über Jahrzehnte, weil sie aus deiner Substanz kommt und nicht aus einem kurzlebigen Trend.
Muss ich mich auf eine einzige Zielgruppe festlegen?
Nicht auf eine einzige Person, aber auf ein klares Bild. Ich arbeite mit sechs Archetypen statt mit einer breiten Demografie. Wer für sechs konkrete Menschen schreibt, schreibt für tausende, die sich darin wiedererkennen. Eine Demografie ist eine Statistik. Ein Archetyp ist ein Mensch.
Woran erkenne ich, dass meine Positionierung zu schwach ist?
Ein deutliches Zeichen ist, wenn deine Wunschklientin dich nach einem Gespräch nicht in einem Halbsatz weiterempfehlen kann. Ein zweites ist, wenn du dich auf jeder Seite deiner Webseite anders beschreibst. Und ein drittes ist, wenn deine Honorare regelmässig verhandelt werden, statt akzeptiert zu werden.
Kann ich meine Positionierung später noch ändern?
Ja. Deine Position ist kein Gefängnis, sondern ein Fundament. Der Kern bleibt über Jahre stabil, weil er aus deiner Substanz gebaut ist. Auftritte iterieren in zwei, drei Versionen — das Fundament darunter bleibt. Angepasst wird punktuell, neu erfunden wird nichts.
Mehr zur Positionierung
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Über den Autor
Ich bin Martin Schunerits, Brand-Guru aus Schaffhausen. Seit über fünfzehn Jahren arbeite ich an der Frage, wie eine Marke online dasselbe Vertrauen trägt, das eine Person im Gespräch mühelos erzeugt. In über 180 Marken-Projekten habe ich die Brand-Manifest-Methode entwickelt, die aus deiner Position ein tragfähiges Fundament macht. Mehr über mich findest du auf meiner About-Seite, weitere Beiträge in meinem Blog.
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