

Martin Schunerits
Drei Klientel-Konstellationen, mit denen ich nicht arbeite
Stand: 08.07.2026. Klientel Positionierung bedeutet für mich nicht nur, wen ich anziehe — sondern ebenso, mit welchen drei Klientel-Konstellationen ich bewusst nicht arbeite. Wer die eigene Marke schärfen will, definiert sie über die Klientinnen, die nicht passen, genauso klar wie über die, die passen. Genau hier liegt der Hebel, den viele Therapeutinnen und Beraterinnen übersehen. Abgrenzung ist der schnellste Weg, aus der austauschbaren Mitte herauszutreten und für die richtige Klientin unverwechselbar zu werden.
In diesem Artikel zeige ich dir die drei Konstellationen, bei denen ich Nein sage — und was du daraus für deine eigene Positionierung mitnimmst. Denn eine Marke, die alles für alle sein will, bleibt für niemanden die erste Wahl. Wie ich zu dieser Haltung gekommen bin, habe ich an anderer Stelle aufgeschrieben: wer ich bin und wie ich anders über Marken denke.
Erst die Person hinter der Brand. Dann die Brand.
Warum schärft Abgrenzung deine Positionierung?
Eine Position entsteht nicht dadurch, dass du möglichst vielen Klientinnen gefällst. Sie entsteht dadurch, dass eine bestimmte Klientin dich sofort erkennt — und eine andere merkt, dass sie woanders besser aufgehoben ist. Dieser zweite Teil fühlt sich unangenehm an, weil er nach Umsatzverzicht klingt. In Wahrheit ist er die Voraussetzung dafür, dass deine Marke überhaupt trägt.
Der Grund liegt tiefer, als er zunächst scheint. Der erste Eindruck deiner Marke entsteht in weniger als einer Sekunde — und er wird in 88 Prozent der Fälle in der zweiten Begegnung nicht mehr korrigiert. Wenn deine Marke in diesem Moment für alle zugleich sprechen will, hat die richtige Klientin keinen Anker, an dem sie sich festhält. Salomon Asch zeigte bereits 1946, dass die Reihenfolge und der erste Eindruck das gesamte spätere Urteil einfärben.
Der eigentliche Bruch liegt dabei nicht in deiner fachlichen Arbeit. Im persönlichen Gespräch — am Tisch, am Telefon, per Video — spürt deine Klientin deine Tiefe in Sekunden, und Vertrauen entsteht fast von selbst. Auf deiner Webseite aber, bevor du ein einziges Wort sagst, steht deine Marke allein. Wenn sie dort für jede und keine spricht, kommt die richtige Klientin gar nicht erst bis zum Gespräch. Abgrenzung ist das Werkzeug, das diese Lücke schliesst.
Drei Dinge passieren, wenn du dich nicht abgrenzt:
- Deine Wunschklientin verwechselt dich mit zehn ähnlichen Angeboten und erinnert sich an keines.
- Anfragen kommen in grösserer Zahl, aber selten von den Klientinnen, mit denen du wirklich arbeiten willst.
- Dein Honorar wird zur Verhandlungssache, weil nichts an deiner Marke den Wert vorab trägt.
Welche drei Klientel-Konstellationen lehne ich ab?
Aus mehr als 180 Marken-Projekten in über 15 Jahren habe ich drei wiederkehrende Konstellationen erkannt, bei denen ich früh Nein sage. Nicht, weil diese Menschen schwierig wären — sondern weil meine Arbeit ihnen nicht das gibt, was sie suchen. Ein ehrliches Nein schützt beide Seiten: die Klientin vor einer Enttäuschung, mich vor einem Ergebnis, hinter dem ich nicht stehen kann. Und für dich ist jede dieser Konstellationen zugleich eine Lehrstunde in Abgrenzung, die du direkt auf deine eigene Marke überträgst.
Kurz gesagt sind es drei: die Klientin, die vor allem Tempo will; die Klientin, die eine laute Marke sucht; und die Klientin, die sich selbst aus ihrer Marke heraushalten möchte. Keine dieser drei ist ein schlechter Mensch. Jede sucht nur etwas, das ich nicht baue — und genau diese Klarheit über das eigene Nein ist der Kern jeder starken Positionierung. Wer weiss, wen er ablehnt, weiss auch, für wen er unersetzlich ist.
Wann passt eine Klientin nicht, die vor allem Tempo will?
Die erste Konstellation ist die Klientin, die ihre Positionierung wie eine Quartals-Kampagne behandelt. Sie will in wenigen Wochen ein Ergebnis sehen und den nächsten Punkt abhaken. Ich arbeite nicht in Vier-Wochen-Versprechen, weil eine Marke, die Jahrzehnte tragen soll, sich nicht beschleunigen lässt.
Geduld kommt bei mir vor Geschwindigkeit. Eine tragfähige Position wächst aus deiner Substanz, nicht aus einem Kalendereintrag. Wenn eine Klientin schnelles Geld über ein belastbares Fundament stellt, sind wir kein gutes Paar — und das sage ich lieber im ersten Austausch als nach dem dritten Monat.
Was du daraus lernst: Benenne offen, wie lange deine Arbeit wirklich braucht. Die Klientin, die das abschreckt, hätte dich ohnehin nur unter Druck gesetzt. Die Klientin, die bleibt, kauft nicht ein schnelles Ergebnis, sondern eine Veränderung — und sie bringt die Geduld dafür schon mit.
Warum arbeite ich nicht mit Marken, die laut sein wollen?
Die zweite Konstellation will eine Marke, die schreit. Diese Klientin bewundert die lauten, amerikanisch geprägten Auftritte mit grossen Versprechen und tonalem Dauerfeuer — und möchte genau das für sich. Ich baue das nicht, weil es in der Deutschschweiz das Gegenteil bewirkt.
Ich habe Klientinnen gesehen, deren Umsatz sich nach einem lauten, importierten Marketing-Programm halbiert hat. Nicht stagniert — halbiert. Die Schweizer Klientel zieht sich von Schreikultur zurück. Eine Marke, die schreit, wird gehört; eine Marke, die trägt, wird empfohlen.
Wenn eine Klientin Substanz gegen Lautstärke eintauschen will, ist meine Arbeit die falsche. Für dich heisst das: Deine Zurückhaltung ist kein Mangel, sondern deine stärkste Unterscheidung. In einem Markt, der ohnehin zu laut ist, wirkt die ruhige, klare Stimme am längsten nach.
Wann sage ich Nein zu einer Klientin, die sich selbst heraushält?
Die dritte Konstellation möchte eine Marke ohne die eigene Person darin. Diese Klientin sucht eine glatte Fassade, hinter der sie unsichtbar bleibt, und gibt ihre Identität vollständig nach aussen ab. Das kann ich nicht liefern, weil meine Methode genau umgekehrt beginnt: erst die Person, dann die Marke.
Meine Arbeit folgt einer klaren Mischung — 70 Prozent echte Verkörperung, 30 Prozent bewusst gestaltete Wirkung. Wer nichts von sich hineingeben will, streicht die 70 Prozent, die eine Marke überhaupt lebendig machen. Der Satz „ich bin halt so" ist dabei keine Erklärung, sondern eine Tür, die zubleibt.
Was du mitnimmst: Eine Marke, die dich schützt, indem sie dich versteckt, schützt dich am Ende vor deinen eigenen Wunschklientinnen. Die Klientin, die zu dir passt, will nicht die perfekte Fassade — sie will die Person, der sie ihre eigene Geschichte anvertrauen kann.
Wie hebe ich mich ab als Therapeutin — durch Abgrenzung?
Wenn du dich als Therapeutin oder Beraterin fragst, wie du dich von vielen ähnlichen Angeboten unterscheidest, beginnt die Antwort nicht bei einem neuen Logo. Diese Antwort beginnt bei einer Liste der Klientinnen, mit denen du bewusst nicht arbeitest. Diese Liste ist unbequem, aber sie ist der präziseste Kompass für deine gesamte Marken-Sprache.
Nimm dir drei Fragen vor:
- Welche Anliegen liegen ausserhalb deiner fachlichen Tiefe — und gehören ehrlich weiterempfohlen?
- Welche Klientin kostet dich mehr Energie, als deine Arbeit ihr je zurückgeben kann?
- Welche Anfrage klingt nach schnellem Ergebnis, wo du nur an einem langsamen arbeitest?
Wenn du diese drei Antworten klar vor dir hast, wird deine Positionierung schärfer als durch jedes Design-Update. Deine Marken-Sprache bekommt einen Rand, und dieser Rand macht die Mitte erst sichtbar. In meinem kostenlosen zum kostenlosen Guide gehe ich diese Selbst-Tests mit dir Schritt für Schritt durch.
Was bedeutet Klientel Positionierung für deine eigene Marke?
Klientel Positionierung heisst, dass du deine Marke aus zwei Richtungen baust: aus den Klientinnen, die du anziehst, und aus denen, die du gehen lässt. Beide Richtungen gehören zusammen. Die Anziehung allein bleibt vage; erst die Abgrenzung gibt ihr Kontur.
Das Ziel ist nicht mehr Volumen, sondern die richtige Klientin, die deinen Wert bereits versteht, bevor das erste Gespräch beginnt. So werden aus Anfragen mit Fragezeichen Anfragen mit einem Ja.
Ich habe das immer wieder beobachtet: Sobald eine Klientin ihre Position schärft und höhere Honorare aufruft, sinkt nicht die Zahl der guten Anfragen — sondern die Zahl der unpassenden. Höhere Preise führen nicht zu weniger Klientinnen, sondern zu einer klareren Selbst-Selektion. Die richtige Klientin liest deine Kante und denkt nicht „zu teuer", sondern „endlich jemand, der genau das macht". Abgrenzung wirkt so wie ein Filter, den du einmal baust und der danach für dich arbeitet.
Diese Klarheit zeigt sich an drei Stellen deiner Marke:
- In der Sprache, die eine bestimmte Klientin anspricht und eine andere bewusst nicht.
- In den Beispielen, die du zeigst — und in denen, die du weglässt.
- In deinem Angebot, das eine klare Kante hat statt vierzehn Varianten für jeden Fall.
Wie diese Schichten einer klaren Positionierung zusammenspielen — von der Klientel-Definition bis zur Marken-Sprache — zeige ich im Leitfaden zur Positionierung. Dort fügt sich auch dieser Artikel in das grössere Bild.
Welche Fragen stellen mir Beraterinnen zur Abgrenzung?
Die folgenden Fragen höre ich am häufigsten, wenn Beraterinnen anfangen, ihre Positionierung über Abgrenzung zu schärfen.
Verliere ich durch Abgrenzung nicht zu viele Anfragen?
Kurzfristig sinkt die Zahl der Anfragen, das stimmt. Doch jede Anfrage, die dann kommt, passt genauer zu deiner Arbeit. Weniger Streuung, mehr Ja — das ist kein Verlust, sondern eine Verschiebung hin zur richtigen Klientin.
Wirke ich nicht arrogant, wenn ich Klientinnen ablehne?
Nein. Ein ehrliches „das ist nicht mein Feld" ist ein Vertrauenssignal, kein Hochmut. Wer weiterempfiehlt, wo eine andere besser passt, zeigt Grösse statt Bedürftigkeit — und bleibt genau dadurch in Erinnerung.
Muss ich die Konstellationen öffentlich auf meine Webseite schreiben?
Nicht wörtlich. Deine Abgrenzung wirkt vor allem im Ton, in den Beispielen und in der Sprache deiner Marke. Deine Abgrenzung darf leise bleiben und trotzdem klar spürbar sein.
Ab wann lohnt sich diese Arbeit an der Positionierung?
Diese Arbeit lohnt sich, sobald du merkst, dass deine Marke online nicht das Vertrauen trägt, das du im persönlichen Gespräch mühelos erzeugst. Genau diese Lücke schliesst eine geschärfte Positionierung.
Wo fange ich konkret an?
Beginne mit deiner Nicht-Klientel-Liste und den drei Fragen aus diesem Artikel. Wenn du danach tiefer gehen willst, findest du den geführten Einstieg in meinem zum kostenlosen Guide.
Über den Autor
Ich bin Martin Schunerits, und ich begleite Therapeutinnen, Beraterinnen und Coaches dabei, eine Marke zu bauen, die Vertrauen erzeugt, bevor sie auch nur ein einziges Wort sagen müssen. Aus mehr als 180 Marken-Projekten in über 15 Jahren weiss ich: Eine Position wird nicht lauter, sondern klarer — und Klarheit entsteht auch dort, wo du Nein sagst.
Mein Buch „Wirkung vor Wort" (39 Franken, erscheint 2026) legt die Methode vollständig dar; in der persönlichen Tiefenarbeit (ab 3’000 Franken) gehen wir sie gemeinsam durch. Mehr über meinen Weg liest du auf meiner Über-mich-Seite, weitere Beiträge findest du in meinem Blog.
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