

Martin Schunerits
Nische finden als Beraterin — warum »für alle« niemanden erreicht
Eine Nische zu finden bedeutet als Beraterin, dich für eine klar umrissene Gruppe von Wunschklientinnen zu entscheiden — und alle anderen bewusst nicht zu bedienen. Genau diese Entscheidung fehlt, wenn deine Marke online wie viele andere aussieht. Wer dich noch nie gesprochen hat, erkennt in den ersten Sekunden nicht, wofür du stehst, und liest nicht weiter. Eine scharfe Nische verändert das und lässt deine Marke Vertrauen erzeugen, bevor du auch nur ein einziges Wort sagen musst.
Stand: 05.09.2026
**Key-Takeaway**
»Für alle da sein« liest sich als Angebot an niemanden. Eine Nische ist keine Verkleinerung deines Marktes, sondern die Entscheidung, wen du nicht bedienst. Diese Entscheidung macht deine Marke im Kopf deiner Wunschklientin eindeutig — und diese Eindeutigkeit trägt höhere Honorare ohne Verhandlung.
Was heisst »Nische finden« als Beraterin wirklich?
Eine Nische finden heisst, aus der austauschbaren Mitte herauszutreten und eine Position zu beziehen, die für die richtigen Klientinnen unmissverständlich ist. Es geht nicht um eine kleinere Zielgruppe, sondern um eine klarere. Die meisten Beraterinnen verwechseln Nische mit Verzicht — dabei ist sie das Gegenteil.
Der Kern ist eine Auswahl-Entscheidung. Du benennst die Menschen, für die du die naheliegendste Wahl bist, und du benennst die Menschen, für die du es nicht bist. Erst dieser zweite Teil macht deine Position glaubwürdig. Eine Marke, die niemanden ausschliesst, verspricht allen dasselbe — und wird deshalb von niemandem als besonders passend erlebt.
Wieso erreicht »für alle da sein« niemanden?
»Für alle da sein« erreicht niemanden, weil das Gehirn deiner Wunschklientin in den ersten 0,3 Sekunden nach einer klaren Schublade sucht, nicht nach Vollständigkeit. Findet es keine, entsteht keine Anspannung, sondern schlicht Desinteresse — und die Bereitschaft, weiterzulesen, sinkt.
Dieser erste Eindruck ist zäh. Studien zum Primacy-Effekt, den Solomon Asch bereits 1946 nachwies, zeigen: Was zuerst wahrgenommen wird, färbt alles Spätere. In etwa 88 Prozent der Fälle wird ein erster Eindruck auch in einer zweiten Begegnung nicht mehr revidiert. Wer online in der austauschbaren Mitte landet, bekommt selten eine zweite Chance auf eine schärfere Wahrnehmung.
Im persönlichen Gespräch spielt das kaum eine Rolle. Am Tisch, am Telefon oder per Video bist du präsent, deine fachliche Tiefe wird unmittelbar spürbar, und Vertrauen entsteht in Sekunden. Der Bruch liegt davor — dort, wo deine Marke allein steht. Auf deiner Webseite, in deinem Profil, in einer Empfehlung von Dritten muss deine Position wirken, bevor du im Raum bist.
Wer für alle spricht, gibt dem Kopf deiner Wunschklientin nichts, woran er dich festhält. Eine Beraterin, die alles anbietet, landet in derselben Schublade im Kopf wie zwanzig andere — der Schublade »irgendetwas mit Beratung«. Aus dieser Schublade heraus wird niemand empfohlen.
»Wer sich nicht klar positioniert, kann zehn Jahre fachlich brillant arbeiten — und trotzdem in der Wahrnehmung seiner möglichen Klientel ein verschwommener Schemen bleiben.«
— Martin Schunerits, »Wirkung vor Wort«
Woran erkennst du, dass deine Positionierung zu breit ist?
Eine zu breite Positionierung erkennst du an konkreten Signalen im Alltag, nicht an einem Gefühl. Diese Signale wiederholen sich bei fast allen Beraterinnen, die noch keine Nische gewählt haben:
- Auf jeder Seite deiner Webseite steht ein anderer Pitch, weil du nie ganz triffst, was du eigentlich machst.
- Empfehlungen kommen freundlich, aber ungenau — die empfehlende Person nennt nicht deinen Namen, sondern eine vage Sammelbezeichnung.
- Anfragen kommen in Volumen, aber selten von der Klientel, mit der du wirklich arbeiten willst.
- Klientinnen vergleichen dich mit günstigeren Anbieterinnen, obwohl dein Niveau ein anderes ist.
- Du erklärst dein Angebot in fünf Sätzen — und niemand könnte es in einem einzigen weitererzählen.
Wenn drei dieser Punkte auf dich zutreffen, ist deine Position nicht zu klein, sondern zu weit. Die Lösung ist nicht mehr Reichweite, sondern eine Entscheidung.
Wie entscheidest du, wen du NICHT bedienst?
Wen du nicht bedienst, entscheidest du zuerst — vor der Frage, wen du bedienst. Diese Reihenfolge ist unbequem, aber sie ist der eigentliche Hebel. Eine Nische entsteht durch Weglassen, nicht durch Hinzufügen.
Drei Fragen führen dich durch diese Entscheidung. Nimm dir für jede Frage eine konkrete, benennbare Person vor Augen, keine Statistik:
|
Frage |
Was sie klärt |
|
Mit welcher Klientin arbeite ich so gern, dass ich die Zeit vergesse? |
Deine Kern-Klientin — der Archetyp, für den du gebaut bist |
|
Welche Anfrage nehme ich künftig nicht mehr an, auch wenn das Geld stimmt? |
Deine bewusste Abgrenzung — der Filter, der Substanz signalisiert |
|
Welches Ergebnis kann ich verlässlich liefern, das andere nur versprechen? |
Dein Beweis-Feld — die Grundlage deiner Position |
Die zweite Frage ist die schwerste und die wichtigste. Eine Beraterin, die klar sagt, mit welchen Anliegen sie nicht arbeitet, wirkt souveräner als eine, die jede Anfrage nimmt. Wie das in der Praxis aussieht, zeige ich in meinem Artikel über drei Klientel-Konstellationen, mit denen ich nicht arbeite.
Weshalb erzeugt eine spitze Nische Sog statt Enge?
Eine spitze Nische erzeugt Sog, weil Eindeutigkeit im Kopf deiner Wunschklientin eine feste Schublade schafft — und aus einer festen Schublade heraus fällt dein Name, wenn jemand nach einer Empfehlung fragt. Enge entsteht nur in der Vorstellung, nie im Markt.
Die Mechanik dahinter ist die Selbst-Selektion. Wer eine klare Position bezieht, zieht die passenden Klientinnen an und lässt die unpassenden von selbst weiterziehen. Das Volumen der Anfragen sinkt oft — aber jede einzelne, die kommt, passt genauer. Das ist kein Verlust, sondern der eigentliche Gewinn einer Nische.
Höhere Honorare folgen aus derselben Logik. Eine Klientin, die deine Position vor dem ersten Gespräch verstanden hat, akzeptiert deinen Preis, weil sie deinen Wert bereits erkannt hat. Die Nische verschiebt das Gespräch weg von der Rechtfertigung und hin zur Entscheidung.
In einem meiner Projekte haben sich die Anfragen innerhalb weniger Monate nach der Schärfung der Position nahezu verdoppelt. Die höheren Preise führten nicht zu weniger Klientinnen, sondern zu einer klareren Selbst-Selektion — es meldeten sich die Menschen, die genau zu dieser Position passten. Das ist der eigentliche Beweis: Eine Nische kostet dich nicht Reichweite, sie ersetzt Menge durch Passgenauigkeit.
Wie hängt deine Nische mit deinem Auftritt zusammen?
Deine Nische und dein Auftritt hängen untrennbar zusammen, weil eine Position, die nur in deinem Kopf existiert, im Markt nicht wirkt. Erst wenn deine Webseite, dein Profil und deine Sprache dieselbe klare Entscheidung tragen, wird deine Nische für Menschen sichtbar, die dich noch nie gesprochen haben.
Genau hier liegt die Verbindung zwischen Positionierung und Marke. Im Gespräch trägst du — deine Präsenz, deine fachliche Tiefe, deine Klarheit sind unmittelbar da. Online trägt deine Marke, oder eben nicht. Eine scharfe Nische gibt deiner Marke das Fundament, um dasselbe Vertrauen zu erzeugen, das du am Tisch mühelos erzeugst.
Das ist die praktische Bedeutung des Grundsatzes »Wirkung vor Wort«: Deine Position wirkt, bevor du sprichst. Wie du deine gesamte Positionierung Schritt für Schritt aufbaust, beschreibe ich im Leitfaden zur Positionierung.
Welche drei Schritte führen zur Nische?
Drei Schritte führen von der austauschbaren Mitte zu einer tragfähigen Nische. Sie bauen aufeinander auf — kein Schritt lässt sich überspringen:
- Kern-Klientin benennen. Beschreibe eine konkrete Person mit ihrem echten Anliegen, ihrem inneren Monolog und ihrer Lebenssituation. Ein Archetyp ist ein Mensch, keine Demografie.
- Abgrenzung festlegen. Benenne die Anfragen, die du künftig nicht mehr annimmst. Diese Grenze ist der Teil deiner Position, den Klientinnen als Substanz lesen.
- Beweis-Feld schärfen. Formuliere das eine Ergebnis, das du verlässlich lieferst — konkret, überprüfbar, in einfacher Sprache statt in Branchen-Vokabular.
Am Ende dieser drei Schritte steht keine Marketing-Formel, sondern eine Entscheidung, die du in jedem Satz deiner Marke wiederfindest. Einen kostenlosen Einstieg in diese Selbst-Klärung findest du in zum kostenlosen Guide.
Welche Fehler machen Beraterinnen bei der Nischenfindung?
Die häufigsten Fehler bei der Nischenfindung entstehen aus der Angst, durch Auswahl Klientinnen zu verlieren. Diese Angst ist verständlich, aber sie führt genau in die Unsichtbarkeit, die sie vermeiden will:
- Nische mit Thema verwechseln. Ein Fachgebiet ist keine Position. Erst die Entscheidung, für wen du die naheliegendste Wahl bist, macht daraus eine Nische.
- Zu viele Angebote nebeneinander. Vierzehn Angebote auf einer Seite überfordern die Klientin, die durch deine Position überzeugt war — und sie schreibt keine Anfrage.
- Die Abgrenzung auslassen. Wer niemanden ausschliesst, wirkt beliebig. Die klare Grenze ist kein Risiko, sondern ein Vertrauens-Signal.
- Die Nische nur denken, nicht zeigen. Eine Position, die deine Marke nicht sichtbar trägt, existiert für deine Wunschklientin nicht.
Der 70-zu-30-Grundsatz hilft hier: 70 Prozent deiner Position kommen aus echter Verkörperung dessen, was du bist, 30 Prozent aus bewusster strategischer Schärfung. Wer alles ungefiltert zeigt, überfordert; wer alles inszeniert, verliert die Substanz. Eine tragfähige Nische lebt aus dieser Mischung — und eine Marke, die aus deiner Substanz gebaut ist, bleibt über Jahrzehnte tragfähig, statt alle achtzehn Monate neu erfunden zu werden.
Wenn du diese Fehler vermeiden willst, führen dich die kompakten Selbst-Tests in zum kostenlosen Guide durch die ersten Entscheidungen — von der Kern-Klientin bis zur bewussten Abgrenzung.
Häufige Fragen zur Nische finden als Beraterin
Verliere ich durch eine Nische nicht zahlende Klientinnen?
Du verlierst durch eine Nische vor allem die Anfragen, mit denen du ohnehin ungern gearbeitet hast. Die Erfahrung aus über 180 Marken-Projekten zeigt: Das Volumen sinkt, die Qualität und die akzeptierten Honorare steigen. Klarheit über deine Position ersetzt Menge durch Passgenauigkeit.
Wie schmal darf meine Nische sein?
Deine Nische darf so schmal sein, dass eine konkrete Person sich darin vollständig wiedererkennt. Wer für sechs klar umrissene Menschen schreibt, spricht tausende an, die sich in ihnen wiederfinden. Die Gefahr liegt fast immer in einer zu breiten, nicht in einer zu schmalen Position.
Was ist der Unterschied zwischen Nische und Zielgruppe?
Eine Zielgruppe ist eine Statistik aus Alter, Beruf und Region. Eine Nische ist die Entscheidung, für welchen Menschen mit welchem Anliegen du die naheliegendste Wahl bist. Die Zielgruppe beschreibt, wer kaufen könnte — die Nische bestimmt, wer dich empfiehlt.
Muss ich meine Nische nach der Wahl für immer behalten?
Deine Nische ist eine Entscheidung, kein Gefängnis, und darf sich mit deiner Erfahrung schärfen und über die Jahre reifen. Wichtig ist, dass sie in jeder Phase eindeutig ist — eine Position, die sich alle paar Monate grundlegend ändert, baut kein Vertrauen auf.
Über den Autor
Ich bin Martin Schunerits, Personal-Brand-Begleiter aus Schaffhausen. Seit über fünfzehn Jahren arbeite ich mit Expertinnen, Beraterinnen und Coaches daran, dass ihre Marke online dasselbe Vertrauen erzeugt, das sie im persönlichen Gespräch mühelos erzeugen — in mehr als 180 Marken-Projekten. Mein Ansatz beruht auf dem Grundsatz »Wirkung vor Wort«: eine Marke, die wirkt, bevor du auch nur ein einziges Wort sagen musst.
Die vollständige Methodik dahinter beschreibe ich in meinem Buch »Wirkung vor Wort«, das im September 2026 erscheint. Die Kernidee bleibt in jedem Format dieselbe: Deine Nische ist keine Verkleinerung deines Marktes, sondern die Entscheidung, für welchen Menschen du die naheliegendste Wahl bist — und diese Entscheidung darf jeder sehen, bevor das erste Gespräch beginnt.
Mehr über meine Arbeit und meinen Ansatz liest du auf meiner Autorenseite. Wenn du bei der Schärfung deiner Position tiefer einsteigen willst, ist die Premium-Positionierung für Coaches — raus aus der austauschbaren Mitte ein guter nächster Schritt.
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