

Martin Schunerits
Preise selbstbewusst kommunizieren — wenn du innerlich nicht mehr wackelst
Sicherheit beim Nennen eines Preises ist keine Frage der Formulierung, sondern das Ergebnis von vier Vorarbeiten: Du kennst deinen Wert in Zahlen, dein Preis steht schriftlich fest, dein Auftritt hat ihn vorbereitet, und du hast eine Antwort auf Widerstand, die du nicht erfinden musst. Wer diese vier hat, braucht keine Technik für das Gespräch. Wer sie nicht hat, rettet auch die beste Formulierung nicht.
Stand: 03.10.2026. Dieser Beitrag beschreibt die vier Vorarbeiten, zeigt woran andere deine Unsicherheit tatsächlich bemerken und wie ein Preis genannt wird, ohne dass Beiwerk dazukommt.
Das Wichtigste in Kürze
- Sicherheit entsteht vor dem Gespräch, nicht darin.
- Vier Vorarbeiten tragen: Zahlen kennen, Preis schriftlich fixieren, Auftritt vorbereiten, Antwort auf Widerstand bereitlegen.
- Bemerkt wird Unsicherheit nicht am Preis, sondern am Beiwerk drumherum.
- Ein Preis gehört in einen eigenen Satz, ohne Begründung dahinter.
- Rabatt aus Unsicherheit ist teurer als der Rabatt selbst, weil er den Massstab dauerhaft verschiebt.
- Wer einen Preis erst auf Nachfrage nennt, verhandelt bereits.
Warum die Arbeit vor dem Gespräch liegt
Die verbreitete Vorstellung ist, dass es eine Formulierung gibt, die den Moment löst. Es gibt sie nicht, und der Grund ist einfach: Dein Gegenüber hört nicht in erster Linie die Worte, sondern die Beschaffenheit deiner Stimme, das Tempo und die Pausen. Diese Ebene lässt sich nicht bewusst steuern, solange du innerlich nicht überzeugt bist.
Deshalb ist der Weg zu einem sicheren Preisgespräch kein rhetorischer, sondern ein vorbereitender. Was vor dem Gespräch geklärt ist, muss im Gespräch nicht mehr gehalten werden.
Vorarbeit 1: Kenne deinen Wert in Zahlen
Der häufigste Grund für Unsicherheit ist, dass der eigene Beitrag nie beziffert wurde. Du weisst, dass deine Arbeit wirkt, aber du kannst es nicht in eine Grössenordnung übersetzen, und deshalb wirkt dein Preis auch auf dich selbst wie eine Setzung.
Nimm dir deine letzten fünf Mandate vor und beantworte für jedes eine Frage: Was hat sich für diesen Kunden in Franken, Zeit oder vermiedenem Schaden verändert? Die Antworten fallen selten präzise aus und sind fast immer aufschlussreich. Wer einmal gesehen hat, dass ein Mandat für dreitausend Franken beim Kunden eine Grössenordnung bewegt hat, die um ein Vielfaches darüber liegt, nennt den Preis danach anders.
Vorarbeit 2: Leg den Preis schriftlich fest
Solange dein Preis im Gespräch entsteht, entsteht er unter Druck. Solange er vorher feststeht, wird er im Gespräch nur noch mitgeteilt.
Schreib ihn auf, zusammen mit dem, was enthalten ist und was ausdrücklich nicht. Nicht für den Kunden. Für dich. Dieser Zettel verwandelt eine Verhandlung in eine Auskunft, und Auskünfte lassen sich ruhiger geben als Forderungen.
Eine Nebenwirkung davon ist die wertvollste: Du merkst beim Aufschreiben, ob du selbst an den Preis glaubst. Wenn nicht, ist das ein Befund über dein Angebot und keiner über deinen Mut.
Vorarbeit 3: Lass den Auftritt vorarbeiten
Der Preis wird nicht in dem Moment beurteilt, in dem du ihn nennst, sondern vor dem Hintergrund von allem, was dein Gegenüber vorher gesehen hat. Eine Zahl, die nach einem sorgfältigen Auftritt kommt, wirkt anders als dieselbe Zahl nach einer Seite von 2019 mit gekauften Bildern.
Genau hier liegt der Teil, den die meisten übersehen, wenn sie an Preisgesprächen arbeiten: Der Auftritt entscheidet mit, bevor du auch nur ein einziges Wort sagen musst. Was er nicht vorbereitet hat, musst du im Gespräch nachholen, und dieses Nachholen ist genau das, was nach Rechtfertigung klingt.
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Vorarbeit 4: Leg eine Antwort auf Widerstand bereit
Widerstand kommt. Er ist selten ein Angriff. »Das ist mehr, als ich gedacht hatte« ist eine ehrliche Aussage über eine Erwartung, nicht über deinen Wert.
Bereite zwei Sätze vor, die du nicht erfinden musst. Einen für die Grössenordnung: »Das verstehe ich. Darf ich kurz sagen, was darin enthalten ist?« Und einen für den Fall, dass es wirklich nicht passt: »Dann passt es diesmal nicht, und das ist völlig in Ordnung.«
Der zweite Satz ist der wichtigere. Wer ihn ehrlich sagen kann, verhandelt nicht mehr aus Mangel, und dieser Unterschied ist hörbar.
Woran andere deine Unsicherheit bemerken
Nicht am Preis. Am Beiwerk.
- Der Preis kommt im Nebensatz statt in einem eigenen Satz.
- Nach der Zahl folgt sofort eine Begründung, ohne dass jemand gefragt hätte.
- Die Stimme geht am Satzende nach oben, als wäre der Preis eine Frage.
- Verkleinerungswörter tauchen auf: nur, eigentlich, in der Regel, so etwa.
- Der Preis fällt erst spät im Gespräch, nachdem alles andere geklärt ist.
Jedes dieser Signale ist ein Hinweis darauf, dass eine der vier Vorarbeiten fehlt. Und jedes ist reparierbar, ohne an der Persönlichkeit zu arbeiten.
Wie ein Preis genannt wird
Ein Satz. Die Zahl. Eine Pause.
»Die Zusammenarbeit kostet 3’400 Franken.« Dann nichts mehr. Die Pause ist der schwierigste Teil und der wirksamste, weil das Schweigen dem Gegenüber Raum gibt, die Zahl einzuordnen, statt sie gegen deine nachgeschobene Begründung abzuwägen.
Kommt eine Frage, beantwortest du sie in Ruhe und so knapp, wie es die Frage zulässt. Kommt keine, war alles gesagt.
Den vollständigen Rahmen dazu spannt der Leitfaden zu Sichtbarkeit und Selbstwert auf. Wie du eine Anpassung bei bestehenden Kunden ankündigst, beschreibt der Beitrag Honorarerhöhung kommunizieren.
Fazit: Die Ruhe kommt aus der Vorbereitung
Selbstbewusst über Preise zu sprechen ist keine Eigenschaft, die manche haben und andere nicht. Es ist der sichtbare Teil von vier Dingen, die vorher erledigt wurden.
Fang bei der ersten an. Sobald du beziffern kannst, was deine Arbeit bei einem Kunden tatsächlich bewegt hat, verändert sich der Ton von ganz allein, und die drei übrigen Vorarbeiten fallen danach spürbar leichter.
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Häufig gestellte Fragen
Sollte ich meinen Preis auf die Website schreiben?
Zumindest die Grössenordnung. Ein Rahmen sortiert vor, spart beiden Seiten Gespräche ohne Aussicht und wirkt souverän. Wer den Preis vollständig verschweigt, verliert vor allem die Interessenten, die zahlen könnten und ungern nachfragen.
Was, wenn mein Preis wirklich zu hoch ist für den Markt?
Dann ist es kein Mindset-Thema, sondern ein Positionierungsthema. Ein Preis über dem Marktdurchschnitt braucht einen erkennbaren Grund. Fehlt der, hilft keine Haltung, sondern nur Arbeit an dem, was dich unterscheidet.
Darf ich nie einen Rabatt geben?
Doch, wenn du ihn vorher entschieden hast und er an eine Gegenleistung gekoppelt ist: eine längere Laufzeit, eine Referenz, ein flexibler Termin. Ein Rabatt, der im Gespräch aus Unbehagen entsteht, verschiebt dagegen deinen Massstab dauerhaft, weil er den alten Preis rückwirkend infrage stellt.
Wie lange dauert es, bis sich das ändert?
Die Vorarbeiten sind an einem Tag erledigt. Dass sich der Ton im Gespräch verändert, merkst du nach drei bis fünf Gesprächen, weil erst die Wiederholung aus einer Entscheidung eine Gewohnheit macht.
Über den Autor
Martin Schunerits ist Brand-Advisor in Schaffhausen und Autor des Fachbuchs »Wirkung vor Wort«. Er arbeitet mit selbständigen Expertinnen, Beratern und Coaches an einer Positionierung, die ihre fachliche Tiefe im Aussen sichtbar macht. Grundlage seiner Arbeit ist die Frage, wie Vertrauen im Nervensystem entsteht, lange bevor ein bewusster Gedanke gefasst ist.
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